Hätten Sie´s gewusst?

von Ute Lenke

Unterschiede von Frauen und Männern

Feministinnen und Feministen leugnen gerne, dass es Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Motto: zur Frau wird man nicht geboren, zur Frau wird man gemacht, was umgekehrt dann auch für Männer gilt. Dennoch hält sich hartnäckig die Ansicht: Mädchen spielen mit Puppen, Jungen weinen nicht, Männer sind stark, Frauen hysterisch. So steht es auch im renommierten „Großen Meyer“- Lexikon von 1905, Erkenntnisse, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

Dort ist zu lesen, der weibliche Körperbau sei im Gegensatz zum großen, kräftigen, muskulösen (??? U.L.) Mann

„runder. …Das weibliche Becken ist weiter, aber niedriger, woraus eine größere Entfernung der Hüftpfannen und die eigentümliche Stellung der Oberschenkel nach innen, der Unterschenkel nach außen hin folgt.  Daher ist der Gang des Weibes schwankender und der Stand, besonders wegen der Kleinheit der Füße, unsicherer“.

X-beinig, unsicher schwankend auf kleinen Füssen, rund – das ist also ein weibliches Wesen in den Augen unserer Vorväter, in einer Zeit als Frauen Fahrrad fuhren, die Frauenbewegung schon lange aktiv und teilweise erfolgreich war – das allerdings sehr zum Ärger vieler Männer.

Weiter heißt es: “Das Nervensystem ist im allgemeinen beim weiblichen Geschlecht reizbarer… Auch psychische Geschlechtseigentümlichkeiten finden sich vor; beim Weibe behaupten Gefühl und Gemüt, beim Manne Intelligenz und Denken die Oberhand; die Phantasie des Weibes ist lebhafter als die des Mannes, erreicht aber selten die Höhe und Kühnheit wie bei letzterem.“

Wer wollte hier widersprechen: Die Kühnheit männlichen Denkens führte in 2 Weltkriege und Gaskammern.

Hinsichtlich Körperbau, Schuhgröße und Gehirnmasse und Hormonhaushalt bestehen zweifellos Unterschiede zwischen Männern und Frauen, aber es kommt doch darauf an, was wir damit machen. Wie schön, dass Geschichte, Wissenschaft und moderne Genderforschung, allen voran aber die Frauen selbst inzwischen diese Weisheiten über das weibliche Geschlecht und die Überlegenheit des männlichen widerlegen konnten (siehe auch LernCafe Nr.  67, darin „Frauen mit und ohne Nobelpreis“).

Apropos Genderforschung

In die deutsche Sprache hat ein neues Wort Eingang gefunden: „gendern“. Da es keine deutsche Bezeichnung für das, was gemeint ist, gibt, muss eine englische dafür herhalten, obwohl es in der englischen Sprache dafür gar keine Verwendung gibt: Gemeint ist, dass wir in Rede und Schrift immer alle Geschlechter ansprechen sollen: sehr geehrte Damen und Herren ist uns ja geläufig, aber „Fußballfans und -faninnen“, „Mitglieder und Mitgliederinnen (kein Witz!), „Vorstand und Vorständin“ – diese Wendungen sind gewöhnungsbedürftig. Wir können uns mit „Teilnehmenden“, Studierenden“, „Autofahrenden“ behelfen – gut klingt das nicht und trifft auch nicht immer den “gemeinten Sinn” (Max Weber). Sprachwissenschaftlich korrekt ist es ohnehin nicht. Das also ist mit „gendern“ gemeint, obwohl die englische Sprache diese Sorgen nicht kennt: students sind Studenten, egal welchen Geschlechts, und driver sind Autofahrer.

Eine weitere Gruppe bleibt dabei unberücksichtigt: Menschen, die sich weder dem einen noch dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen. Seit dem 1. Januar 2019 gibt es eine dritte Möglichkeit, das eigene Geschlecht neben weiblich oder männlich offiziell eintragen zu lassen:

Divers.

In vielen Stellenanzeigen findet man seitdem merkwürdige Buchstaben hinter der Berufsbezeichnung: gesucht wird ein Bäcker (oder ähnliches) für …. (m/w/d).

Wer sich darüber wundert, der schlage im Duden nach, dort stehen folgende Einträge:

(m/w/d)          = männlich, weiblich, divers

(m/w/x)          = männlich, weiblich, egal, welches Geschlecht, bzw. nicht definiert

(m/w/i)            = männlich, weiblich, intersexuell

(m/w/a)          = männlich, weiblich, anders

(m/w/g)          = männlich, weiblich, geschlechtsneutral.

Der Vorteil einer solchen Schreibweise liegt auf der Hand, liebe LernCafe-Leser (d/m/w)((alphabetisch geordnet)): es schreibt sich einfacher und schneller und auch, wer sich als „divers“ empfindet, ist gemeint. Gleich- BERECHTIGT sind die unterschiedlichen “genders” aber damit noch lange nicht. Und was mache ich in Zukunft bei einer persönlichen Ansprache? TV- und Radiosprecher (und -innen) verhaspeln sich jetzt schon, weil sie zwischen „Zuschauer“ und *-„innen“ eine längere Pause legen; ist es wirklich so umständlich zu sagen „liebe Zuschauerinnen, liebe Zuschauer“? Und wo bleiben die „diversen“, die „anderen“, die „trans- und intersexuellen“?

Nach neuesten Pressemeldungen verzichtet die Lufthansa neuerdings auf die Begrüßungsformel “Sehr geehrte Damen und Herren” und begnügt sich mit einem schlichten und allen Genderformen gerecht werdenden “Willkommen an Bord”.

Hier kommt die Lösung – wie oft aus USA: das vierte Geschlecht! Viele Hollywoodgrößen bezeichnen sich neuerdings als „pansexuell“. Damit meinen sie, dass ihnen das eigene und das Geschlecht anderer völlig egal ist – sie kennen nur Menschen. Und zwar solche, die ihnen sympathisch sind, und solche, die unsympathisch sind. Das Geschlecht an sich ist irrelevant. Daher auch der Begriff „pansexuell“. Er leitet sich vom griechischen „pan“ ab, was „umfassend“ oder „alles“ bedeutet und in diesem Zusammenhang die Aufhebung jeglicher sexuellen und geschlechtlichen Beschränkungen beschreibt.

Doch wie spreche ich die nun an?

Liebe Mitmenschen, mir ist es herzlich egal, wie ich angesprochen werde, ob ich Redakteur, Redakteurin oder Redigierende des LernCafes bin – diese Verhunzung der deutschen Sprache gefällt mir nicht, und damit befinde ich mich in guter und zahlreicher Gesellschaft von Linguisten und Germanisten.

Und so grüße ich Sie, liebe Leser und Leserinnen zum Schluss “herz”-lich – nicht ohne zu fragen: hätten Sie übrigens gewusst, wo das Symbol des Herzens seinen Ursprung hat?

Sehen Sie sich das Herz einmal genauer an: Die vollen Rundungen an der Oberseite entsprechen dem weiblichen Po, während das spitz zulaufende Dreieck die Form der Yoni, also des weiblichen Geschlechtsorgans symbolisiert. (…) Einst ein Symbol für Sinnlichkeit und Sexualität, deckt das Herzsymbol heute ein breites Spektrum verschiedener Bedeutungen ab: Neben der romantischen Liebe, und der Liebe zu Gott steht es auch für die (Herz-)Gesundheit.“

Darauf muss „man“ erst mal kommen! Oder sollte ich sagen: darauf kann nur ein Mann kommen?

Quellen:

Angelika Schaser, Frauenbewegung in Deutschland 1848 – 1933, Darmstadt 2020,

darin S. 111: Auszug aus dem Artikel „Geschlechtseigentümlichkeiten“, in Meyers Großes Konversationslexikon, 6.Aufl. Leipzig, Wien 1905, S. 684

Auf gut Deutsch – Duden-Kalender 2021

Duden – Das Fremdwörterbuch, Ausgabe 2020

https://de.wikipedia.org/wiki/Pansexualität

Presseschau – Stop Gendersprache jetzt! (stop-gendersprache-jetzt.de)

Debatte: Wie man gegen Gendern argumentieren kann | FINK.HAMBURG

Elke Heidenreich übers Gendern: „Grauenhaft, wenn ich das schon höre! – WELT

Ursprung der Herzform – so entstand das Symbol der Liebe (helpster.de)

LeMO Jahreschronik – Chronik 1905 (dhm.de)