von Stefanie Labs
Neben den auf dem Bild gezeigten Klassikern, die uns vermutlich allen einfallen, möchte ich von zwei Erlebnissen aus meinem Urlaub berichten, denn Sommerzeit ist Ferienzeit – und damit für viele Deutsche Urlaubszeit. Nur leider wird Urlaub von verschiedenen Personen unterschiedlich definiert.

Mein erstes Urlaubsziel ist Hamburg. Ich sitze an einem Freitag im ICE und genau an diesem Tag beginnen in Schleswig-Holstein die Schulferien. Einige meiner Mitreisenden in der zweiten Klasse machen unser Abteil zur Partyzone. Wir müssen uns in ohrenbetäubender Lautstärke die Musik aus dem Mini-Lautsprecher gefallen lassen, den sie auf dem Tisch der Vierer-Sitzgruppe platziert hatten. Wir hören alles, was das kleine Gerät so hergibt: von Schlager über Rock bis zu 80er-Jahre-Musik. Nachdem die ersten Bierdosen geleert waren, packten sie die „Kurzen“ aus und der Alkoholpegel stieg mächtig an. Dabei wurde ordentlich mitgesungen. Auch nach mehrfacher Aufforderung verschiedener Mitreisender, die Musik leiser zu drehen, kamen nur Beleidigungen und Beschimpfungen. Das konnten wir so aber nicht akzeptieren. Da wir alle Smartphones haben, ließen sich Mitreisende die Geräte in der Umgebung anzeigen, stellten die Verbindung zu dem Mini-Lautsprecher her und schalteten ihn einfach aus. So war es für einen kurzen Moment ruhig, doch die Betrunkenen verstanden schnell, was passiert war, und starteten den Mini-Lautsprecher neu. Danach ging die Party bis zum bitteren Ende weiter. Genau dieses respektlose Verhalten ist für mich „typisch deutsch“.

Einige Wochen später sitze ich erneut im Zug, dieses Mal in der Regionalbahn, und bekomme ein Gespräch von Mitreisenden mit. Ein Ehepaar, ich schätze es auf 60+, setzte sich auf die Sitze einer Vierer-Sitzgruppe, auf der bereits ein Afrikaner saß. Er hatte ein Arbeitsbuch zum Deutschlernen aufgeschlagen. Das Ehepaar sah dies und sprach ihn in englischer Sprache an. Zunächst erfolgte ein typischer Small Talk, in dem bereits zu Beginn kommuniziert wurde, dass Deutsch für Nicht-Muttersprachler eine schwer zu lernende Sprache ist. Im Laufe des Gesprächs beginnt der ältere Herr, immer mehr von seinem eigenen Leben zu erzählen. Beispielsweise berichtete er, wie er sich in der Flüchtlingshilfe engagiert hat, welche Leute er kennt und erläuterte, welche Rolle Fußball in der deutschen Kultur spielt. Dabei vermittelt er seinem Zuhörer, dass es im Profisport ein No-Go ist, nach dem Training zu rauchen oder zu trinken. Der Afrikaner, der in Deutschland in der Landesliga Fußball spielt, berichtete jedoch, dass er und seine Freunde genau dies tun. Während dieses Gesprächs, das zunehmend zum Monolog des deutschen Seniors wurde, musste ich innerlich schmunzeln. Sowohl das Gespräch als auch das Verhalten sind für mich „typisch deutsch“.
Übrigens habe ich den Urlaub schon Monate im Voraus geplant. Auch das ist „typisch deutsch“.