von Maja Prée
„Sprechen ist der Vorgang des „mündlichen“ Hervorbringens von Sprache, vorwiegend in größeren zusammenhängenden Einheiten und zum Zweck der Kommunikation“ (Wikipedia).
Wie oft denkt oder spricht man den Satz „wir müssen miteinander reden…“ aus, ohne zu bedenken, dass es viele Menschen gibt, die aus den verschiedensten Gründen nicht sprechen oder hören können. Die direkte Sprache mit aneinandergereihten Worten, Betonungen ist nur uns Menschen möglich. Und sie dient den verschiedensten Zwecken: dem einfachen Gespräch, der Wissensvermittlung, einem Meinungstausch. Sie kann Drohungen vermitteln, Recht wird damit gesprochen, aber auch Lob oder Dank. Die Sprache vermittelt Stimmungen, Zustimmung oder Ablehnung.
Doch wie machen das Menschen, die nicht in der Lage sind, Laute klar und deutlich, für jeden verständlich, zu artikulieren?
Da gibt es erstmal die Gebärdensprache. Sie wird vor allem von gehörlosen oder schwerhörigen Menschen genutzt und sie wird visuell wahrgenommen. Kommuniziert wird mit Gestik, Gesichtsmimik und dem Mundbild. In ihrer Komplexität entspricht die Gebärdensprache der gesprochenen Sprache. Auch hier kann eine Gebärde mehrere Bedeutungen haben, so wie ein gesprochenes Wort. In der Zeitschrift Ethnologue wurde 2013 die Existenz von 137 Sprachen genannt. Demzufolge kann man auch hierbei Fremdsprachen lernen?! Das Institut Fresenius schreibt sogar von rund 200 Gebärdensprachen. Sechzig sind bisher erforscht und dokumentiert. Bereits in der Antike hat es die Verständigung mittels Gebärden gegeben. Die moderne Gebärdensprache begann im 18. Jahrhundert mit der Bildung tauber Kinder.
Dazu gibt es seither ein richtiges Alphabet, das durch die Fingerhaltung angezeigt wird.
Nun gibt es aber auch Menschen die Taubblind sind bzw. wo Sehen und Hören stark eingeschränkt sind. Sie setzen eine weitere Form der Verständigung ein.
Das ist zum Beispiel das Lormen. Dabei sind den einzelnen Buchstaben bestimmte Punke auf der Hand zugeordnet. Der „Sprechende“ berührt dabei die Hand seines Gegenübers und formuliert so, was er seinem Gegenüber vermitteln will.
Eine andere Form, die taktile Gebärdensprache bedeutet, dass der „Hörende“ seine Hände auf die des Sprechenden legt, um dessen Gebärden und Bewegungen zu erfühlen. Lormen verwenden meist Menschen, die erst spät ertaubt sind, die taktile Gebärdesprache ist typisch für spät Erblindete, die von Geburt an taub sind.
Ich habe auch gelesen, dass Gegenstände, die für bestimmte Begriffe stehen, bei taubblinden Menschen genutzt werden: zum Beispiel eine Tasche als Symbol für eine Reise.
Für mich bedeutet das, dass ich mich glücklich schätzen kann, mit meiner angeborenen Stimme reden zu können und hören zu können. Nicht jeder Mensch kennt die Gebärdensprache oder das Lormen. Daran werde ich jetzt wohl öfter denken, wenn jemand zu mir sagt: „Maja, wir müssen reden!“