von Stefanie Labs
Die Grafik veranschaulicht das 4-Ohren-Modell der Kommunikation nach dem Kommunikationspsychologen Friedemann Schulz von Thun. Das Modell zeigt, dass jede Nachricht gleichzeitig vier unterschiedliche Botschaften enthalten kann: einen Sachinhalt, eine Selbstkundgabe, einen Beziehungshinweis und einen Appell. Während der Sender mit einer Aussage bestimmte Informationen, Gefühle oder Absichten ausdrückt, kann der Empfänger dieselbe Nachricht auf unterschiedlichen Ebenen verstehen. Die Grafik stellt daher gegenüber, was der Sender meint und was der Empfänger möglicherweise versteht. So wird deutlich, wie leicht Botschaften anders verstanden werden können, als sie gemeint waren, und wie wichtig es ist, sich der verschiedenen Kommunikationsebenen bewusst zu sein.

Beispiel für ein Gespräch nach dem 4-Ohren-Modell
Anna (Sachinhalt)
„Hallo, wie geht es euch? Ich freue mich, euch zu sehen, weil ich euch unbedingt noch von dem geplanten Programm der Akademiewoche in Ulm berichten wollte. Wir haben verschiedene Referentinnen und Referenten eingeladen. Einerseits werden sie über die Spaltung der Gesellschaft berichten, andererseits werden sie die solidarischen Bemühungen der Bevölkerung im Alltag näherbringen. Auch die aktuelle demokratische Einstellung in Deutschland sowie die Sorge vor Rechtsextremismus werden thematisiert. In verschiedenen Beiträgen wird auf ethische Fragen, soziale Ungleichheit und faire Teilhabe eingegangen. Unser Ziel ist es, über die Themen Demokratie, Gerechtigkeit, Vielfalt und Verantwortung in den Dialog zu kommen. Die Vorträge sollen dazu anregen, neue Verbindungen zu knüpfen und sich aktiv am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen. In den Workshops beschäftigen wir uns mit Künstlicher Intelligenz und IT-Sicherheit, mit ökonomischen und biologischen Fragestellungen sowie mit kreativen Angeboten wie beispielsweise Schreiben und Malen. Wer möchte, kann sich außerdem am gemeinsamen Singen beteiligen, an Führungen teilnehmen oder sich in der Mittagspause sportlich betätigen.“
Bernd (Selbstkundgabe)
„Anna, wenn ich dir so zuhöre, dann nehme ich wahr, dass du dich sehr intensiv mit der Planung des Programms beschäftigt hast. Das zeigt mir, dass dir Bildung, Teilhabe und ein gemeinsamer Austausch wichtig sind. Ich erlebe dich immer als sehr engagiert und vor allem als jemand, der sich bemüht, alles korrekt zu planen. Ich freue mich auf die Veranstaltung mit euch.“
Clara (Beziehungshinweis)
„Ja, aber ganz ehrlich, Anna, ich finde, du übertreibst manchmal ein bisschen. Du darfst nicht vergessen, dass wir alle über 80 Jahre alt sind. Nicht jeder kann noch so viele Informationen aufnehmen und den ganzen Tag aktiv dabei sein. Wir sind dir zwar sehr dankbar für deine Organisation, aber du erwartest manchmal ein bisschen viel von uns.“
David (Appell)
„Ich glaube, du möchtest uns dazu motivieren, offen und neugierig zu sein. Das geplante Programm soll eine gemeinsame Lern- und Begegnungserfahrung werden. Durch die angesprochenen Themen können wir den Wert dieser Veranstaltung erkennen. Jetzt frage ich mich: Was kann ich dazu beitragen? Brauchst du noch Unterstützung bei der Organisation?“
An diesem Gespräch sehen wir, dass der Empfänger einer Botschaft etwas ganz anderes verstehen kann, als der Sender der Botschaft übermittelt hat. In der alltäglichen Kommunikation tätigen wir bewusst oder unbewusst Aussagen, die auf vier unterschiedlichen Ebenen sowohl gesendet als auch empfangen werden können. Diese vier Ebenen werden durch die vier Personen in diesem Gespräch veranschaulicht. Dabei spielen auch Tonfall, Mimik und Gestik eine große Rolle. Das 4-Ohren-Modell zeigt, wie Missverständnisse entstehen können.