von Maja Prée
Es war an einem 8. August. Memento Tag – „Erinnere dich an deine Sterblichkeit“. Als ehrenamtlich Arbeitende war ich an diesem Tag auch auf unserem schönen Parkfriedhof. Es wurde Verstorbener gedacht, es gab Führungen zu historischen Gräbern bekannter Meininger Persönlichkeiten, Musik, Kaffee und Kuchen und Gedankenaustausch. Alles gut!
Und auch ein ortsansässiges Bestattungsunternehmen hatte an diesem Tag zu einem Tag der offenen Tür geladen. Dort war ich dann mit Bekannten kurz vor Abschluss des Tages. Vom „Give away“, das andere in die Hand gegeben bekommen hatten, standen noch einige Exemplare herum und eine Bekannte meinte: „Das ist gut, das musst du mitnehmen!“.
Eine stabile kleine Papiertragetasche mit Kugelschreiber, Bleistift, einem Päckchen Zellstofftaschentüchern, einem etwas größerem Notizblock und einem Feuerzeug waren darin. Ich hatte erst zu Hause nachgeschaut und dachte dann, was machst du nun damit? Notizblöcke habe ich schon genug zu Hause herumliegen. Rauchen tue ich nicht, den Kugelschreiber kann ich gut gebrauchen – da wird immer mal einer leer … und, da war ich erstaunt: mit dem Bleistift lässt sich wunderbar zeichnen. Ich hatte ihn am nächsten Tag, mit einem neuen Skizzenbuch am Teich sitzend, ausprobiert. Das Feuerzeug konnte ich inzwischen an eine Raucherin verschenken, die sich über das angenehm in der Hand liegende Teil sehr freute.
Was ich mit diesen Zeilen aber fragen will: warum haben wir diese Sammelwut? Warum müssen wir alles mitnehmen, was es irgendwo umsonst gibt. Normalerweise wähle ich schon genau aus, wenn mir an einem Stand etwas angeboten wird. Und dort stand daneben noch ein Tisch mit etlichen Kugelschreibern. Einer hätte mir gereicht. Ich habe dann keinen mehr mitgenommen. Der eine deckt den Bedarf wieder für eine Weile.
Inzwischen bin ich zu Hause soweit, dass ich altersbedingt versuche, schon Ballast abzuwerfen. Dinge, bei denen die Bedeutung im Laufe der Jahre nachgelassen hat, werden entsorgt. Bücher versuche ich in „Bücherschränken“ unterzubringen. Mein Lesegeschmack hat sich geändert. Manches Buch nehme ich noch mal in die Hand und lese es. Andere, die ich bei preisgesenkten Exemplaren entdeckt hatte, wandern oft in den Papiercontainer. Das Sammeln aller Dinge ist nicht mehr wichtig. Wichtig sind mir liebe Erinnerungen.
Wie geht es Ihnen?