„The Krauts“ – ein Spitzname für die Deutschen

von Maja Prée

Ein Name, der sowohl Gutes wie auch Schlechtes bedeuten kann, oft spöttisch gemeint ist – aber auch kulinarisch für eine große Bandbreite spricht. Nehmen wir uns hier der guten Seiten an, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert war das aus dem Weißkohl hergestellte Sauerkraut ein beliebter Proviant bei Seereisen und den nach Amerika auswandernden Menschen. Half es doch, sich gegen die gefürchtete Krankheit Skorbut zu wappnen. Und bei KI las ich auch, dass deutsche Einwanderer in Pennsylvania viel Kraut anbauten und deshalb bereits damals von den dortigen Bewohnern „die Krautköpfe“ genannt wurden. In Deutschland ist es vor allem das nördliche Klima, das den Kohl so gut wachsen lässt, ebenso wie die fruchtbaren Böden. Und Kraut war lange Zeit – in verschiedenen Varianten zubereitet – in allen Klassen der Gesellschaft ein weit verbreitetes Gemüse. Von der einfachen Kohlsuppe, in der nicht immer Fleisch zu finden war und manchmal mehr Augen hineinschauten als wieder heraus – bis hin zum karamellisierten Röschen als besondere Delikatesse.

Eisbein mit Sauerkraut (lizenzfrei ding651354666 auf pixabay)

Als typisch deutsch gilt beim Essen heutzutage wohl immer noch Sauerkraut mit Bratwurst oder Eisbein. Ein opulentes und zugleich für die meisten auch leckeres Mahl. Der Kohl fand seine Liebhaber auch bei den altmeisterlichen Malern. Holländische, spanische und deutsche Stilllebenmaler nahmen sich im 17. Jahrhundert dieses Gemüses an. „Die Oberflächen der Kugeln sind spiegelnd glatt oder wächsern, hoch gewölbt und fein genarbt. Die Blätter haben Rippen, Adern, Noppen, sind gerüscht, gefältelt, plissiert und gebogen. Endlose Gelegenheiten, allerhand Fertigkeiten in Lichtführung, Perspektive und Farbschattierung zu demonstrieren“, schreibt Elke von Radziewsky (1). Ein schöneres Kompliment kann man dem Kohl doch kaum machen? Die Künstliche Intelligenz hat mir verraten, dass Jacob Samuel Beck (1715-1778) ein Stillleben mit Weißkohl, Rotkohl, Artischocke und Quitte in Öl gemalt hatte. Auch Vincent van Gogh schuf ein Stillleben mit Kohl, jedoch als Farbholzschnitt (2). Kohl wurde als Symbol für Bescheidenheit, Vergänglichkeit bzw. als Alltagsgegenstand gesehen – besonders in der niederländischen und flämischen Malerei. Sprachlich wird „Kohl“ auch für „Unsinn“ oder „Quatsch“ verwendet. Der Ausspruch „Das ist doch alles Kohl“ stammt aus dem 18. Jahrhundert. Symbolisch steht Kohl in der Traumdeutung für Glück, Gesundheit und Zufriedenheit sowie für Einfaches und Alltägliches. Und es gibt „Kohl“ als typisch deutschen Familiennamen. Vielleicht waren die Vorfahren Kohlbauern oder lebten in der Nähe eines Kohlfeldes.

(1) Elke von Radziewsky: Der Selbstversorgergarten, Verlag blv

(2) KI-App: Vibe by Mistral