von Beate Seelinger
Wir müssen reden! Müssen wir reden? Natürlich nicht zwingend. Worte können gefährlich sein. Worte können buchstäblich töten, Worte sind leicht gesagt, können Krieg auslösen, können im schlimmsten Fall sogar den Weltuntergang herbeiführen. Weise Menschen reden üblicherweise nicht viel. Sie wissen um die Macht des gesprochenen Wortes, auch um seine trügerische Fähigkeit, die Wahrheit zu zerstören. Und sie wissen auch, dass leere und törichte Worte den Geist töten.
Unsere Sprache ist mächtig. Das eine richtige Wort kann Leben retten, das eine falsche Wort kann Leben zerstören. Wer dies inne hat, wird vorsichtig sein mit Worten. Ein Wort, das aus Falschheit genährt wird, kann tiefe Verletzungen bewirken, ein verlogenes Wort hat unter Umständen weitreichende zerstörerische Macht. Wir sehen es in unseren Tagen: wir nennen es Fake News. Verlogene Worte in den Medien führen zu gefährlichen politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen. Gelogen wurde schon immer, jedoch in den heutigen Zeiten ist das gelogene Wort salonfähig geworden. Es ist sozusagen „normal“ geworden, zu lügen. Und was diese Lügen anrichten, kann man am momentanen Zustand unserer Welt sehr deutlich ablesen.
Wir sollten nicht reden?
Also nicht reden? Wir brauchen Sprache, sie ist lebensnotwendig. Ein Mensch, dem man das Wort versagt, wird krank. Ein Mensch ohne Ansprache wird krank, sollte er die Kommunikation nicht bewusst meiden, wie z.B. Einsiedler es tun. Das gesprochene Wort kann genauso gut heilen, retten, Leben stiften. Worte können Glück und Freude, Genuss und Erbauung schenken. Worte können Frieden stiften und Menschen erheben. Durch die Worte, die ein Mensch äußert, lernen wir ihn kennen. Durch seine Worte charakterisiert sich ein Mensch. Ohne Worte geht es nicht.
Auch mal still
Heutzutage reden wir zu viel und zu wenig. Wir reden viel Blech und wenig Gewicht. Wir reden zu leichtsinnig und zu selten tiefgründig. Natürlich sollten wir nicht aufhören, zu reden, dennoch sollten wir auch die Stille wiederfinden. Wir sollten wieder öfter Stille aushalten, auch stille Momente zu Zweit, untereinander, auch einmal Funkstille. Auch Funkstille mit unseren Kommunikationspartnern. Dies könnte zu einer ganz neuen Wertschätzung des Anderen und dessen Worten führen. Es gab Politiker, die schalt man, weil sie Probleme „aussaßen“. Man hörte sie einfach nicht zu bestimmten Themen. Bis dann mit einem Mal eine praktikable Lösung auf dem Tisch lag. Das war weise. Heute twittern Politiker jeden aufkommenden Gedanken als staatstragende Äußerung unmittelbar durch alle Kanäle der Welt. Was das mit sich bringt, können wir ebenfalls am Zustand der Welt ablesen. Wie die Kinder sprudeln sie und wir alles heraus, was ihnen und uns in den Sinn kommt. Wir sollten reden – ernsthaft – um unsere Probleme im Kleinen und im Großen zu lösen, jedoch wir sollten häufiger auch schweigen. Wir sollten wahre Worte reden, um uns gegenseitig zu erfreuen, zu heilen, zu belehren und aufzubauen. Vor allem sollten wir zurück zur Wahrheit kommen. Um Wahrheit muss man ringen. Das tut man oft mit Worten. Jedoch die klügsten Worte und Gedanken generiert die Stille. Bei all dem Rauschen im Äther, dass wir verursachen und verursachen müssen, sollten wir endlich einmal überlegen, wie wir diese Welt wieder stiller machen.