von Maria Schmelter
Ich koche gern, aber keine 5-gängigen Menüs, wo man immer nur einen dekorierten Klecks auf dem Teller hat. Und ich habe gerne Besuch, vor allem seit meine eigene Reiselust sehr eingeschränkt ist. So kam ich auf die Idee, alle 4-6 Wochen fünf Frauen, die ich bisher noch nicht so gut kannte, zum Mittagessen einzuladen.
Ich koche, worauf ich mal wieder Lust hab und teile es gern. Rücksichten auf Unverträglichkeiten oder andere Essgewohnheiten muss ich nicht nehmen. So kann ich mich mit Lust ans Kochen machen. Es bereitet mir wirklich keine Mühe. Meine Mutter hatte mir gern den Platz am Herd überlassen, seit ich in der Schule Kochunterricht hatten.
Die Mittagsfrauen decken mein Bedürfnis Besuch zu haben und in gemeinsame Gespräche verwickelt zu sein vortrefflich ab. Oft ziehen sich unsere Gespräche bis in den Nachmittag.
Wie entstand die Idee? In meiner Nachbarschaft lebt eine Frau, die ich sporadisch im Gottesdienst traf. Ich hatte bei ihr einen Geburtstagsbesuch gemacht und erinnerte mich an ein ganz lebhaftes Gespräch mit ihr. Sie lud ich zuerst ein. Sie wiederum machte den Vorschlag, eine Bekannte, die seit kurzem verwitwet war, einzuladen. Eine Frau, die wir beide kannten, kam hinzu und ich lud noch zwei weitere Frauen ein. Die Altersspanne liegt zwischen 68 und 90 Jahren. Allen Eingeladenen gemein ist ihre Beheimatung in der Kirche. Das ist manchmal ein Gesprächsanknüpfer, aber die Gespräche gehen meist weit darüber hinaus. Alle freuen sich aufs gemeinsame Essen und das Gespräch und wenn mal ein oder zwei nicht können, macht nichts. Ich gebe zwei Termine zur Auswahl vor.
Aber nun zu den Gesprächen, schließlich ist der Titel des Lerncafes ja „Wir müssen reden“. Eine hervorstechende Eigenschaft an mir ist sicher meine Neugier auf andere Menschen. Small talk liegt mir gar nicht, aber vertrauensvolle offene Gespräche ziehen mich in ihren Bann. Oft geht es um biografisches, wo wir aufgewachsen sind, was uns geprägt hat, wie wir zu unserer Berufswahl kamen…… Auch aktuelle Politik kann uns beschäftigen, aber wir halten uns nicht beim Jammern und Wehklagen auf, vielmehr erzählen wir uns, wie wir in unserem kleinen Leben dagegen halten und den Mut nicht verlieren. Wir erzählen uns auch von unseren Kindern und Enkeln und wie verändert ihre Welt ist.
Der Gesprächsstoff geht uns nie aus. Alle kommen zu Wort. Natürlich gibt es zum Nachtisch einen Espresso und irgendwann, wenn die Zeit schon weit fortgeschritten ist, mahnt jemand zum Aufbruch und dann freuen wir uns schon alle aufs nächste Treffen. Essen hält eben Leib und Seele zusammen – und die Tischgespräche sind die Würze.